Im Gespräch mit Betroffenen höre ich oft, dass Frauen mit der Diagnose „Fehlgeburt“ zur Kürettage in eine Klinik überwiesen werden. Dies ist allerdings nicht bei jeder Frau, die eine Fehlgeburt erleidet, notwendig. Leider werden Betroffene von ihrem/r Gynäkologen/in nicht immer über ihre Möglichkeiten aufgeklärt.
Trotz der Trauer und Enttäuschung, die viele Frauen im Moment der Diagnose erleben, gilt es, informiert zu sein und die für sich und seinen Körper beste Entscheidung zu treffen. Dieser Artikel soll Dir dabei helfen, über die Möglichkeiten bei der Diagnose „Fehlgeburt“ informiert zu sein. Denn eine Fehlgeburt bedeutet nicht, dass Du zwingend eine medizinische Behandlung benötigst. Lass Dich von Deinem/r Gynäkologin umfassend beraten.
Je nach in welcher Schwangerschaftswoche die Fehlgeburt passiert und wie Dein Gesundheitszustand ist – also wenn Du kein Fieber oder sonstige Krankheitssymptome hast, hast Du 3 Möglichkeiten:
1. Warten auf einen natürlichen Abgang
2. Medikamente für einen schnelleren natürlichen Abgang
3. Kürettage als chirurgischer Eingriff
Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile, die wir uns kurz anschauen.
Nach der Diagnose „Frühe Fehlgeburt“ (bis zur 12. SSW) musst Du – sofern es medizinisch keinen nennenswerten Grund gibt – nichts überstürzen. Du kannst nach dem Feststellen der Fehlgeburt bei Deinem/r Gynäkologen/in nach Hause gehen, den ersten Schock verarbeiten, Deinen Emotionen freien Lauf lassen und Dich in Ruhe mit Deinem/r Partner/in besprechen.
Das exspektative Vorgehen „Warten“ wird auch als natürlicher Verlauf bezeichnet. Denn diese Methode gibt Deinem Körper Zeit, die Fehlgeburt ohne medizinische Eingriffe eintreten zu lassen. Die Mehrheit der Fehlgeburten wird auf diese natürliche Weise beendet und nicht durch Kürettage – wie man oftmals denken mag. Das mag auch daran liegen, dass es sich bei den meisten Fehlgeburten um frühe Fehlgeburten handelt.
Wichtig:
Bis zu einem vollständigen natürlichen Abgang kann es mehrere Tage bis einige Wochen dauern. Wenn Du Dich also für diese Methode entscheidest, solltest Du Dich emotional bereit dazu fühlen, Dein totes Baby noch einige Zeit in Dir zu tragen. Vielleicht tröstet Dich diese Vorstellung auch und Du gewinnst Zeit, um die Situation annehmen zu können und Dich in Ruhe von Deinem Baby zu verabschieden. Lass Dich während dieser Zeit von einer Hebamme belgeiten.
Die Vorteile, die das Warten auf ein natürlicher Abgang mit sich bringt, sind u.a. die folgenden:
Die Nachteile des Wartens auf einen natürlichen Abgang sind u.a. die folgenden:
Neben der Option „Warten“ kannst Du Dich für die medikamentöse Therapie, also die Einnahme von Medikamenten entscheiden. Diese Medikamente verkürzen die Wartezeit bis zu einem natürlichen Abgang, indem sie Deinen Körper dabei unterstützen, Dein totes Baby schneller auszustoßen als wenn Du ohne die Einnahme von Medikamenten darauf wartest.
Die Medikament führen dazu. dass sich Dein Muttermund öffnet, die Gebärmutter sich zusammenzieht und der Fötus ausgestoßen wird. Verbleibt Schwangerschaftsgewebe in Deinem Körper, wo wird die medikamentöse Behandlung fortgesetzt. Schau, dass auch in dieser Situation eine Hebamme an Deiner Seite ist.
Deine Vorteile bei der Einnahme von Medikamenten sind u.a.:
Nachteile dieser Möglichkeit sind u.a.
Die dritte Möglichkeit ist die Kürettage, ein chirurgischer Eingriff unter Narkose, der bei einem/e Gynäkologen/in oder in der Klinik durchgeführt wird. Dabei wird das (restliche) Schwangerschaftsgewebe aus der Gebärmutter entfernt.
Es gibt Situationen, in denen bei der Diagnose Fehlgeburt aus medizinischen Gründen eine Kürettage erfolgen MUSS, z.B. wenn Du sehr starke Blutungen und Schmerzen hast oder unter einer Infektion leidest. Nach einer Kürettage ist es möglich, das Gewebe genetisch untersuchen zu lassen, wenn Du das möchtest.
Es gibt zwei Möglichkeiten einer Kürettage:
Deine Vorteile bei einer Kürettage sind u.a. die folgenden:
Deine Nachteile bei einer Kürettage sind u.a. die folgenden:
Für welche der drei Methoden Du Dich in Deiner Situation entscheidest, ist – in vertrauensvoller Abstimmung mit Deinem/r Gynäkologen/in – Deine Entscheidung.
Für die eine Frau mag es ein beruhigendes Gefühl sein, zu wissen, ihr totes Baby nicht noch allzu lange in sich zu tragen. Für andere Frauen mag genau dieser Gedanke, sich nicht sofort vom Baby im Bauch trennen zu müssen, heilsam sein. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.
Natürlich ist es wichtig, dass Du bei Deiner Entscheidung besonders achtest auf:
Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Es ist wichtig, dass Du Dich gut informiert fühlst über Deine Optionen – das ist leichter gesagt als getan in dieser extrem emotionalen Situation. Denn schließlich bricht für Dich gerade eine Welt zusammen. Umso wichtiger ist es, dass Du auf Deine Bedürfnisse und Wünsche hörst.
Egal für welche Methode Du Dich entscheidest, sorge dafür, dass Du liebevolle Menschen um Dich hast, die Dich in Deiner Wahl unterstützen und zur Seite stehen. Während und nach einer Fehlgeburt hast Du Anspruch auf die professionelle Begleitung einer Hebamme. Sie kann für Dich eine sehr wichtige Ansprechpartnerin und Stütze sein.
Wichtig:
Wenn während Deiner Schwangerschaft vaginale Blutungen auftreten, wende Dich an Deine/n Gynäkologin/en. Es muss abgeklärt werden, ob Du Anzeichen für eine Fehlgeburt hast oder nicht. Wenn mit dem Blut Klumpen oder Gewebefetzen austreten, fang sie auf und zeig sie Deinem/r Gynäkologen/in.
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